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Praktikum in Japan

Japan-Praktikantinnen Lisa Herden und Dörthe Sontag mit Gudrun Scheer

Eine gottgefüllte Zeit
Im Land der aufgehenden Sonne

Nach unserer Rückkehr blicken wir, Lisa Herden und Dörthe Sontag, zurück auf unser gemeinsames Japan-Praktikum. Während unseres Aufenthaltes dort setzten wir uns in den verschiedenen diakonischen Einrichtungen ein, erlebten Homestays bei japanischen Gastfamilien, tobten und spielten mit Kindern im Kinderheim und lernten einige Wörter japanisch. Fern der Heimat trafen wir auf eine offene und herzliche Welt und erlebten intensive Begegnungen – mit Menschen, mit uns und mit Gott.

Wir stellen fest, dass uns gegenwärtig viele Alltagssituationen aufmerken lassen und uns an noch so kleine Geschehnisse erinnern, die wir im Land der aufgehenden Sonne erlebten. Wir sind sensibilisiert für eine Welt, die uns einst so fern und so fremd schien. Wir horchen auf, wenn Toyko beim Weltwetter erwähnt wird, achten auf asiatische Restaurants und verfolgen interessiert die Medien-Berichte über Japan. Wir sind mit diesem Land verbunden, für uns liegt Japan gefühlsmäßig nicht mehr auf der anderen Seite der Welt. Aber wie kam es dazu, dass uns ein Land so nah kommen konnte? Wo können wir anfangen und wo können wir aufhören von vier Wochen zu berichten, deren Facetten manchmal keine Worte kennen?
 
  

 
Beziehungen sind der Schlüssel zu einem Land: Menschen, die einem herzlich, freundlich und offen begegnen. Menschen, die einen begleiten und interessiert sind. Trotz mancher kulturellen und sprachlichen Barriere gab es eine menschliche Verbindung, ein Verstehen, auch ohne gemeinsame Muttersprache. Erlebt haben wir das mit Passanten, die uns mit Händen und Füßen den Weg wiesen, Schülern, die uns als „gaijin“ (Fremde) auf ihren Erinnerungsfotos haben wollten. Weiterhin erfuhren wir dies als japanische Kinder uns am Bahnhof in Kyoto eine Mandarine schenkten, von den Mitarbeitenden von Nozominomon, die interessiert und jederzeit hilfsbereit waren. Zudem durch die Frauen des Frauenheimes „Gakuen“, von denen eine uns jeden Morgen mit einem ganz besonders freundlichen und gedehnten „Ohio gozaimaaas!“ (Guten Morgen) begrüßte.

Wir fühlten uns geborgen, obwohl wir im Kinderheim beim Zusammenlegen der Wäschestücke der Kinder die Etiketten nicht lesen konnten, weil sie in japanischen Schriftzeichen waren. Wir konnten den Kindern nicht bei ihren Hausaufgaben helfen, aber wir fanden eine Basis um auf dem Hof gemeinsam „Schnick-Schnack-Schnuck“, „Schweinchen in der Mitte“, Fußball, Basketball und Badminton zu spielen. Unvergesslich ist uns auch der Einsatz im Kindergarten des Kinderheimes, bei dem wir uns auf der elementarsten Ebene mit den Kindern unterhielten. Trotz oder gerade wegen unseres geringen japanischen Wortschatzes ließen wir uns auf die Sprache des Spielens ein. Dort hatten wir nicht zum ersten Mal die wunderbare Gelegenheit einen Moment der tiefen Heiterkeit und Freude zusammen mit den Menschen zu erleben, mit denen wir uns nicht verbal unterhalten konnten.

Beim Besuch von Tokyo kamen wir ins Fragen. Wir blickten hinter die Hightech-Fassaden dieser 13-Millionen-Stadt, als uns Menschen begegneten, die wie Comicfiguren gekleidet waren. Manche Japaner identifizieren sich so sehr mit der Scheinwelt von Disney, dass sie ihr Äußeres dementsprechend anpassen. Tokyo, mit den unzähligen Reklameschildern, dem nicht enden wollenden Strom von Fußgängern, Fahrradfahrern und den Autos auf den Straßen. Eingekeilt zwischen den Häuserschluchten stresste uns der Pulsschlag dieser Stadt schon ein wenig. Bis wir mitten in Ginza, dem reichsten Viertel Tokyos eine Kirche in der Häuserfront entdeckten. Zusammen mit Noriko Shindo (unserer dolmetschenden Freundin) flüchteten wir uns in diese Kirche. Noch etwas außer Atem vom Tokyoer Treiben spürten wir den Frieden, der hinter diesen Mauern wartete. Dort erlebten wir eine Art „Sturmstillung“: einen Moment des Inne- und Anhaltens, des Auftankens, des Besinnens auf das Wesentliche: Gottes Wirken. Wir spürten Gottes Geist, untermalt von dem Licht, das durch die farbigen Glasfenster hineinfiel und durch die Stille, die von der warmen Klangfarbe der Orgel erzeugt wurde. Ein paar Minuten getrennt von der Unruhe der Welt, nahmen wir schweigend Gottes Frieden in unser Herz auf, um gestärkt und geschützt der Hektik und dem Chaos unserer Welt auf den Tokoyer Straßen wieder entgegenzutreten.
 
Die Kinder werden über die Beteiligung an lokalen Festen
auch in die Region eingebunden

   In Nishichiba besuchten wir die Kirche, in der Gudrun Scheer während unseres Japan-Aufenthalts predigte. Vor dem Gottesdienst trugen sich alle Besucher in eine Liste ein. Am Ende des Gottesdienstes wurden die Namen der Menschen verlesen, die zum ersten Mal den Weg in diese Kirche gefunden hatten. Sie wurden aufgerufen, erhoben sich und ihr Kommen wurde mit Applaus gewürdigt. Wir waren etwas verwundert, als wir feststellten, dass es den neuen Gottesdienstbesuchern nicht unangenehm zu sein schien, die geballte Aufmerksamkeit der Gemeinde für ihr Kommen zu erhalten.

Überhaupt herrschte eine sehr wohlige und warme Atmosphäre in dieser Kirche. Während Gudrun Scheer auf Japanisch über den „Zinsgroschen“ predigte und die Frau des japanischen Pfarrers für uns ins Deutsche übersetze, machten sich die Gemeindemitglieder eifrig Notizen zur Predigt.

Die Gemeinschaft dieser Menschen war vor, während und nach dem Gottesdienst spürbar und ersichtlich, sie endete nicht mit dem Gottesdienst. Im Anschluss kochten junge Menschen gemeinsam, während sich andere in Gesprächskreisen zusammenfanden. Der Glaube als verbindendes Element – wir erlebten dies auch während eines Homestays bei einer christlichen Gastfamilie. Wir beteten gemeinsam und lasen in der Bibel. Wir spürten, dass es ein die sprachlichen und kulturellen Grenzen überwindendes Element gibt: Jesus Christus, unseren gemeinsamen Herrn und Bruder. Um die MBK-Arbeit in Deutschland etwas genauer zu erläutern, besuchten wir während dieses Homestays die Internetseite des MBK. Im Kinderheim Kazusa no sato zeigten wir einer 18-Jährigen, die sehr gut englisch sprechen konnte und mit der wir uns anfreundeten, die Berghof-Homepage. Wir berichteten ihr vom MBK, unserem Glauben und den Berghof-Freizeiten. In der Bildergalerie der Berghof-Internetseite zeigten wir diesem Mädchen Fotos von der Sport- und Actionfreizeit 2009, bei der wir beide mitgearbeitet hatten.

Der Berghof begegnete und begleitete uns ständig (und das nicht nur, weil Lisa ihr Berghof-Fan-T-Shirt immer wieder trug). So kamen wir im Kinderheim mit unserer Englisch sprechenden Dolmetscherin ins Gespräch und ins Singen. Diese 23-jährige Japanerin gehört zu den 0,8% Christen in Japan. Als wir feststellten, dass auch sie Lobpreis-Lieder von „Hillsong“ kannte, fanden wir uns im Andachtsraum des Kinderheimes ein. Mehr als 11.000 Kilometer entfernt vom Berghof, sangen wir die Lieder, die uns von unzähligen Berghof-Freizeiten so vertraut sind, unterstützt von einer Japanerin, die die Lieder aus dem Kopf auf die Klaviertasten legte. Diese und viele weitere Erfahrungen verdeutlichten uns, dass es durch Gottes Wirken ein weltweites Netz gibt, das uns im Glauben verbindet und über alle elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten hinausgeht.

Mission hat auch soziale Aspekte.
Mit den Sozialwaisen will gemeinsames Essen eingeübt sein.
Wir durften erleben, wie uns Gott fern der Heimat begleitete. Sein göttliches Timing sorgte trotz eines Taifun-Ausläufers und des unruhigen Sinkfluges für eine gute Landung bei der Hinreise. Wir durften während unseres Aufenthaltes in Japan erleben, wie Gott uns auch in weniger schönen Situationen nahe war. Zudem stärkte es uns, dass uns viele Menschen in der Heimat im Gebet begleiteten. Während dieser Wochen ging Lisa immer wieder die Liedzeile „Von guten Mächten treu und still umgeben“ durch den Kopf. Wir wussten uns von unserem lebensnahen Gott gehalten und spürten: Gott ist da. Gottes Geist bestärkte uns, als wir uns beim Besuch von shintoistischen Schreinen (Verehrungsstätte für die Gottheiten der fast ausschließlich in Japan bekannten pantheistischen Religion), buddhistischen Tempeln und im Gespräch mit Japanern mit unserem Glauben auseinandersetzten. Vor der Besichtigung des Atombombendoms in Hiroshima wurde Dörthe durch die Bibellese des 29. Oktobers 2009 zu Jesaja 1 geleitet. Dieses Kapitel gab Kraft den Ort des Atombombenabwurfs vom 6. August 1945 aufzusuchen und sich den menschlichen Gräueltaten zu stellen.

Die vielen verschiedenen Bilder, die Öffnung unseres persönlichen Horizonts, der praktische Einsatz, die Begegnung mit einer fremden Kultur und den unzähligen Menschen lieferten uns eine besondere Erfahrung. Es war für jede von uns eine reiche Gelegenheit, dieses Land in Asien aus einer Innenperspektive heraus kennen zu lernen. Wir freuen uns auf den Gegenbesuch der Japaner im Herbst. Wir sind beschenkt, dass wir eine persönliche, mbk-liche und geistliche Verbindung mit Japan haben, die wir weiter pflegen. Sie können mit Ihrer Spende mithelfen, dass wir den Japanern einen ebn so schönen und erfahrungsreichen Aufenthalt schenken können.

Die Erfahrungen, die wir während dieser Zeit gesammelt haben, die uns geprägt und unsere Persönlichkeit nachhaltig gestärkt haben, sind ein Schatz dieser Reise. Sie klingen soweit nach, dass wir in gegenwärtigen Situationen an so manches Japan-Erlebnis zurückdenken und uns erinnern, wie wir dort im Glauben gestärkt wurden: Gott hält alles in der Hand und seine Hand fügt alles nach seinem Wohlgefallen, wenn wir ihn lassen.

Dörthe Sontag und Marie-Elisabeth Herden

Weitere Eindrücke des Japanaufenthaltes im UK-Blog 
 

Weitere Bilder & Informationen zum Kinderheim als PDF-Datei
 
 
 
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